sometimes

Ich hab das damals im ersten Theaterurlaub geschrieben, kurz-ish nachdem mein Großvater gestorben ist. Ich hatte nie die Motivation, das ganze fertigzustellen. Es fühlt sich irgendwie fertig an.

sometimes i am tortured by dreams of success—it doesn’t matter what it looks like,
it’s always dreadful. ich weiß nicht wieso, aber ich kann mir einfach keine zukunft
vorstellen, in der ich—oder irgendwer, tbqh—erfolgreich und glücklich zugleich ist.
sind diese beiden konditionen nicht irgendwie negativ bedingt? man kann glücklich
sein, man kann erfolgreich sein, aber beides zugleich? colour me skeptical.
Ich saß damals also an meinem Schreibtisch und dachte über das Wetter nach—wie
genau sollte ich meine Reaktion auf den Verrat des Wetters (diesen schmählichen
Temperatursturz, der mich in eine Erkältung und eine Sinnsuche warf) ausdrücken?
Ich bin nicht überzeugt, dass wir dafür Worte haben werden, egal, wie lange ich das
Schreiben noch herauszögere (und, Gott, wie es an mir zerrt—als wäre ich ein
Raumschiff in unglücksel’gem Flug auf ein schwarzes Loch—jede kommende
Sekunde dauert länger und meine Gedanken werden langsamer, bis sie endlich in
ewiger Länge vergehen)

Oh, ein Wort macht alles ungeschehen. Und ich will nicht die Rache der Maria, ich
will ihre Verzweiflung.
Und ich schreie. Und ich bete. Und ich weiß nicht weiter.


Das also ist des Pudels Kern sagt mein Vater und ich starre ihn an. Was will er damit
sagen? Ich weiß, dass er ein Deutschabi hat. In der Situation ist der Satz einfach
fehl am Platz.


I feel like my insanity is rending my soul at the edges of my vision, a cacaphony of a
thousand voices and I need to let them all in.


Ich sitze in der Wohnung und schaue aus dem Fenster. Ich darf nicht, ich kann
nicht.


Ich wünsche mir, dass der Tod mich besucht wie Emily.

because i could not stop for death // he kindly stopped for me.

Ich starre in die Nacht und ersehne mir seine Umarmung. Wie er wohl aussieht.

===
Mein Großvater redet von hehren Dingen und ich denke an den toten Hund im
Garten. Daneben meine Großmutter, ewig deplatziert und doch am Ziel.
Er steht auf und bittet mich doch endlich den verdammten Rasen zu mähen.
Deswegen sei ich doch gekommen. Ich sage erstmal nichts und starre auf das
vertrocknende Blumenbeet. Was für Rasen? Seit meine Großmutter tot ist, breitet
sich das Moos aus, hat inzwischen fast alles gefressen—nur im Kreis um die
Verscharrten hält sich das Gras, es wächst groß und stolz, ein Grabmahl über das
man sich nicht streiten braucht.

Unser Familiengrab hat immer noch keinen Grabstein. Sie ist sechs Monate tot und
wir haben uns immer noch nicht auf die Schriftart einigen können. Ich verstehe
nicht, warum wir sie nicht auf den alten Grabstein schreiben können. Zögern wir
den Stein hinaus, weil die Urne fehlt?

[discussion about the font on the grave stone (humanist grotesque for grandmother,
but what of the rest?)]

Ich stehe seufzend auf und mache mich auf den in den Schuppen, der schon immer
zerfällt. Neben dem Rasenmäher steht die Sense und ich lächele ein bisschen in
mich hinein. Es wird nichts weggeworfen. Ich hole die Verlängerungskabel und
stolpere fast über das Vogelfutter—die Vögel warten seit ihrem Tod—und fange an
zu mähen.

Die Vögel in den Apfelbäumen singen mir ein Lied von Sommer. Der Hund kommt,
gibt mir den Ball und holt nicht wieder, weil er verzogen ist. Ich lache und schaue
Richtung Haus. Er sitzt wie immer im Dunklen, gebeugt über Kontoauszüge, von
denen er sich regieren lässt und hat mich schon wieder vergessen. Wenn ich
zurückkomme, wird er mich unwirsch begrüßen, ich werde ihm Kaffee kochen, die
Investitionsvorschläge der Bank absegnen und ihn den Papieren überlassen.
[Eigentlich hat er ja gut investiert, sagt meine Mutter. Sie ist mit ihrer elendigen
Ezigarette verschmolzen und nimmt mir übel, dass ich nichts von Betongold halte.
Die Wohnungen sind schon fast im Wert explodiert.

Ich nicke. Ja, ja, aber deswegen hat er sie doch nicht gekauft. Er wollte uns an sich
fesseln, wollte, dass wir hier gefangen sind. Wie er es war. Ich wünschte ich könnte
eine rauchen, aber das tue ich hier nicht. Wir müssen die Diskussion nicht haben.]


Ich schließe die Augen und sehe ein Skelett vor mir. Gefangen in vertrockneter
Erde, die Arme einladend ausgebreitet. Das kann keiner von uns sein, im Tod noch
offen.


ah, the first stirrings of life in its miserable glory. jetzt kriechen sie alle aus ihren
betten, den schlaf im auge und

der rauch kräuselt sich langsam nach oben—er will auch nicht gehen, muss aber
dann doch und sieht die straße von oben. er ist von der schlafstadt nicht
beeindruckt und sehnt sich wie der raucher in die toskana. oder vielleicht nach
frankreich, so ganz sicher sind sich die beiden da nicht, aber es ist ja auch noch
früh.

es muss sich entschieden werden, aber niemand will. der tag vergeht sich im
nichts, umspielt die familie, die wieder mal—immer noch?—über das testament
streitet, obwohl sie alle das gleiche wollen.